Die Lehrer in Reicheneibach

Der Lehrer war ursprünglich zugleich der Mesner. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts oblag auf dem Lande die Ausbildung des Mesners zum Lehrer vielfach dem Ortsgeistlichen. Daraus ergaben sich zwangsläufig Lücken und Mängel im Wissen und Können mancher Dorfschulmeister. Die Schulaufsicht lag in den Händen der Geistlichkeit. Der Ortspfarrer als Lokalschulinspektor vollzog die Schulvisitation und erstellte die Beurteilung des Lehrers. In den jährlichen Schulvisitationsprotokollen wurden nicht nur dessen schulische Leistungen und Fähigkeiten bewertet; auch das Verhalten in der Gemeinde, das Verhältnis zum Geistlichen wurde einer eingehenden Würdigung unterzogen.

Im Schulvisitationsprotokoll 1833/34 von Reicheneibach werden dem Lehrer Josef Schandl nur mittelmäßige Anlagen und Kenntnisse im Schulfache bestätigt, der nur wenig Erfolge im Unterricht zu erzielen vermag, „als er überall nur einen Fleiß vierter Note verwendet und derselbe auch hinsichtlich seiner moralischen Conduite (Führung, Betragen) nur die Note vierter Klasse verdient“. Es war deshalb beabsichtigt, einen Schulprovisor anzustellen, was aber nicht möglich war, da für den Provisor keine Wohnung zur Verfügung stand, weil der Lehrer Schandl „mit 6 Kindern versehen ist und die seinige ohnehin ganz nötig hat“. Dem 50jährigen Lehrer konnte auch nicht zugemutet werden, von seinem geringen Einkommen von 183 Gulden 20 Kreuzer für den Schulprovisor „etwas abzulassen, ohne seine Familie zum Bettler und der Gemeinde zur Last zu werden“. Zu den „ganz geringen Erträgnissen seines Platzes kommt, dass er keine ordentliche Ausbildung zum Schulfach sich verschaffen konnte und die notwendige zu Gangkofen und Hirschhorn sich suchen musste. Da der Kooperator von Gangkofen nur ein paar Mal die Woche dahin kommt, kann er wenig zum Frommen der Schule tun. Man gab dem Lehrer den strengsten Auftrag, sich bei seinem Bruder in Trennbach in den Ferien mehr zu bilden“. Der Distriktsschulinspektor (heute: Schulrat) Kapfenberg betont, dass dem „Schandl eine Unsittlichkeit nicht zur Last gelegt werden kann. Es gebricht ihm an Liebe zu seinem Beruf, daher sein Lerneifer nur gering ist. Lehrer Schandl kann wohl ein brauchbarer Mesner sein, aber die Stelle eines Lehrers kann er mit Erfolg nicht versehen. Man muss ihn gleichwohl dulden, da er zum Lehrer ernannt worden ist“. Schandl würde gerne einen Schulgehilfen halten, „wenn seine Vermögensumstände es erlaubten und seine Familie nicht so zahlreich wäre, somit er sich nur kümmerlich ernähren kann“. Am 16. Februar 1836 teilt der Distriktsschulinspektor der Regierung mit, dass mit dem neuen Kooperator „ein trefflicher Schulmann“ gekommen sei, „der den Lehrer aufs tätigste unterstützt, und sohin kann man heuer auf eine merkliche Verbesserung dieser Schule hoffen.“

Josef Schandl ist am 13. April 1838 gestorben. Der Lokalschulinspektor Pfarrer Sturm berichtet über die Familie:

1. Die kränkliche Witwe Anna Schandl ist 45 Jahre alt; sie versorgt 6 Kinder:

Josef, geb. 1817, Weberjunge,

Anna, geb. 1818, zu Hause,

Theresia, geb. 1820, zu Hause,

Anton, geb. 1824, Privatschulpräparand beim Schullehrer zu Kollbach,

Rosina, geb. 1821, sprachlos, zu Hause

Matthäus, geb. 1830, gehörlos, zu Hause;

2. die Familie besitzt ein eigenes, 1837 erbautes Haus und eine Sölden als Privateigentum und kann sich davon notdürftig ernähren;

3. der Lehrer war nicht Mitglied des Witwenfonds, die Familie bezieht aus diesem Fonds nichts;

4. von der größtenteils armen Gemeinde hat die Familie nichts zu hoffen.

Von der Distriktsschulinspektorin wurde einstweilen der Schulpräparand Schandl von Obertrennbach unter Aufsicht des Kooperators Haimerl nach Reicheneibach berufen, „weil sonst kein disponibles Subjekt vorhanden ist“.

1838 reicht Anna Schandl ein Unterstützungsgesuch ein, da sie bis zum Antritt des neuen Lehrers den Schulprovisor verpflegt und besoldet hatte, „was das Schulgeld und die wenigen Meßsechser (sechs Kreuzer) vom Mesnerdienst in Anspruch nahm“.

Die Schandl-Kinder haben ihren Eltern eine Steintafel gewidmet, die an der Außenseite der Kirche zu Reicheneibach in den Verputz eingelassen ist: „Dem Andenken des ehrenwerten Herrn Josef Schandl, durch 24 Jahre Schullehrer dahier, geboren 6. März 1785, gestorben 13. April 1838, versöhnt mit Gott und der ganzen Welt.

Ihm folgte sein Sohn Jungherr Anton Schandl, Schulexpektant hier, geboren 13. Januar 1824, gestorben 10. November 1844.

Dann auch dessen Ehefrau Anna Schandl, Schullehrerswitwe von hier, geboren 6. Juni 1790, gestorben 2. Juli 1863 und ergeben in den Willen ihres Schöpfers.

Gewidmet, (zum) Dank für die zeitliche Fürsorge von ihren noch lebenden Kindern“.

Das Schandl-Haus in Reicheneibach, aufgenommen 1985

Am 15. Februar 1850 tritt der Schulgehilfe Eduard Dreßely von Straubing seinen Dienst in Reicheneibach an. Er erhält vom Schullehrer Dobler freie Wohnung und unentgeltliche Verpflegung im Geldanschlag von jährlich 100 Gulden. Schon nach acht Tagen ersucht die Distriktionsschulinspektorin Dreßely zu versetzen, „da er in der Kleidung ganz herabgekommen sei, Schulden besitze, seine Mutter mit 7 unversorgten Kindern nicht unterstützen kann und der Charakter zu wenig gefestigt ist. Vor 10 Jahren sei er mit der Note „vorzüglich“ aus dem Seminar getreten“.

Lehrer Dobler reicht 1853 ein Bittgesuch um Unterstützung ein, da er an Augenschwäche leide, 73 Jahre alt und vermögenslos sei und einen taubstummen Sohn besitze. „In diesem Jahr fanden nur eine große und eine kleine Leiche statt (11 Gulden); es wurden jede Woche nur drei Messen gelesen; von 20 Stiftern erhielt er nur 5 Gulden. Das Einkommen ist also gering. Wegen der gegenwärtigen Teuerung aller Lebensmittel kann ich den Schulgehilfen nur mit größter Entbehrung verpflegen“. Dobler erhielt eine außerordentliche Zuwendung von 15 Gulden; 1854 = 10 Gulden, 1855 = 8 Gulden. 1855 wurde Dobler wegen 50jähriger Dienstzeit mit dem König-Ludwigs-Orden ausgezeichnet. Am 1. November 1858 erfolgte wegen Alters und Dienstunfähigkeit die Dienstenthebung Josef Doblers. An seine Stelle tritt Josef Fischer. Als Gemeindeschreiber erhält er von der Gemeinde Reicheneibach jährlich 20 Gulden und von der Gemeinde Sallach 16 Gulden. Die Lehrersgattin Franziska Fischer erteilt den Unterricht in weiblichen Handarbeiten und wurde dafür im Schuljahr 1859/60 mit 10 Gulden entschädigt.

Der Lokalschulinspektor klagt am 14. März 1858, dass in Reicheneibach ein ständiger Wechsel von Schulgehilfen stattfinde, „was der Schule ungemein schadet. Unsere Schule war die schlechteste im ganzen Landgericht.“

Mit der Bauvollendung des Schulhauses mit zwei Unterrichtsräumen im Jahr 1910 wird die Schule zweiklassig. Lehrer Adam Steger reicht ein Gesuch um Besetzung der Hilfslehrerstelle ein, an die die Hilfslehrerin Anna Baumann von Wallersdorf verpflichtet wurde.

 Lehrer:

1800-1803 Josef Dobler
1803-1838 Josef Schandl
1838 Schandl von Obertrennbach
1838-1850 Philipp Dobler von Haunkenzell (Landgericht Mitterfels)
1850 Eduard Dreßely von Straubing nach Baierbach (Ldg. Mallersdorf) versetzt
1850-1851 Simon Sausmüller von Vilsheim (Ldg. Landshut) nach Dirnaich versetzt
1851 Jakob Neudegger von Neuessing (Ldg. Kelheim)
1851-1852 Ulrich Müller nach Wiesenfelden (Ldg. Mitterfels) versetzt
1852-1853 Johann Baptist Altersberger von Thämhausen (Ldg. Kelheim) nach Zeitlarn (Ldg. Eggenfelden) versetzt
1853-1854 Josef Zizler nach Frauenau (Ldg. Regen) versetzt vom Schuldienst entlassen
1855-1857 Peter Paul Frey von Vilsheim (Ldg. Landshut) nach Schaffenberg (Ldg. Mallersdorf) versetzt
1857-1858 Max Josef Kasper von Neustadt (Ldg. Abensberg) nach Ettling (Ldg. Landau) versetzt
1858 Xaver Zizlsperger von Oberlauterbach (Ldg. Rottenburg)
1858-1860 Josef Fischer von Sossau (Ldg. Straubing) nach Schaibing (Ldg. Wegscheid) versetzt
1860-1865 Franz Seraph Denk von Neukirchen (Ldg. Eggenfelden) nach Gögging (Bez.-Amt Kelheim) versetzt
1865-1875 Anton Wurm von Zeitlarn (Bez.-Amt Eggenfelden)
1875-1898 Franz Xaver Spatz geb. in Langquaid nach Dommelstadl (Bez.-Amt Passau) versetzt
1898-1911) Adam Steger von Landshut nach Leiblfing (Bez.-Amt Straubing) versetzt
1910         ) Anna Baumann von Wallersdorf, Hilfslehrerin
1911-1927 Rupert Keglmaier von Treitlkofen nach Unterdietfurt (Bez.-Amt Eggenfelden) versetzt
1927-1928 Otto Petschko
1928-1939 Josef Straubinger von Nördlingen
1929-1931 Karolina Moosauer von Weichs
1939- Wilhelm Honig von Straubing
1945-1952) 1. Hans Glaser von Goldbrunn/CSR
1945-1956) 2. Christel Reiß von Sternsee/Ostpr.
1948-1956) 3. Otto Diem von Reith
1953-1960) 1. Josef Zwiefelhofer von Budweis/CSR
1953-1960) 2. Christel Diem, geb. Reiß von Sternsee/Ostpr.
1956-1958 Lieselotte Seitz
1958-1969 Waltraud Weber von Pankofen
1960-1968 Otto Deistler von Mühlessen (Sudetenland)