Das Schloss

Der Eggenfeldener Bezirksarzt Dr. Wulzinger schrieb in seinem Buch „Historisch- topographisch-statistische Beschreibung des Bezirksamts Eggenfelden und der umliegenden Gegend“ vom Jahr 1878, also vor 125 Jahren, über Reicheneibach folgendes:

Schloß Eibach, jetzt Reicheneibach, und das Geschlecht der Ekker von Eibach

Das jetzige Dorf und das vormalige Patrimonialgericht Reicheneibach ist 4 Stunden westlich von Eggenfelden entfernt an der Distriktsstraße von Eggenfelden nach Frontenhausen links in einem rings von Bergen umgebenen Talkessel gelegen, und es ist daselbst wegen des vielen Wasserreichtums sehr feucht. Diese vormalige Hofmark zählt dermalen 124 Einwohner, 63 Gebäude, 1 gotische Kirche und 1 Schule mit einem Gottesacker, gehört zum Landgerichte Eggenfelden, zur Pfarrei Gangkofen und bildet eine Gemeinde; in derselben sind alle nötigen Handwerker vertreten, als Wirt, Bäcker, Schmied, Wagner, Schuster und selbst eine Badstube war allda. Seinen Namen erhielt dieser Ort von dem Bächlein Aibach, das hier unweit entspringt.

Von wem das Schloß einst gegründet wurde, ist unbestimmt. Zu alten Urkunden kommen die Ekker de Eybach häufig vor, und sie haben es auch besessen. Dieses Geschlecht der Ekker schrieb sich von Liechteneck, ein Schloß, nur 2 Stunden westlich von Reicheneibach links von der Straße von Gangkofen nach Frontenhausen auf einem Berge im Landgerichte Vilsbiburg gelegen, wo noch der Burghügel sichtbar ist und unfern hiervon der Liechtenecker Bauer steht; dann schrieb es sich von Prunn bei Aufhausen an der Vils, von Marklkofen und von Pugendorf. Ein anderes Geschlecht der Ekker schrieb sich von Pöring an der Isar unterhalb Landau, und endlich gab es noch die Ekker von Egg bei Metten im bayerischen Walde, deren Stammschloß heute noch in der ursprünglichen Rittersform steht.

Das Schloß Reicheneibach, wahrscheinlich wegen der fruchtbaren Gegend so genannt, war vormals auf der Stelle, wo heutzutage die Filialkirche zu Reicheneibach steht, und der erst vor etlichen Jahren (vor 1878) bei der Restauration dieser Kirche umgebaute Kirchturm mit seinem Satteldache war noch ein Überbleibsel von dem alten Schlosse. Ein Beweis, dass diese Kirche einst ein Schloß war, ist der Umstand, dass man bei der Restauration der Kirche auf mehrere rundliche steinerne Türstöcke gestoßen ist, welche für eine Kirche durchaus nicht notwendig gewesen sind. Wie gegenwärtig die Kirchhofmauer herum läuft, eben so stand einst die Ringmauer dieses Schlosses, welches außerdem noch von der Süd- und Westseite von einem Weiher umgeben war und nach Norden und Osten überdies noch einen Wall hatte, der nun abgetragen ist.