Dorferneuerung

Dorferneuerung Reicheneibach abgeschlossen

Mit einem von Pfarrer Thomas Kratzer zelebrierten und vom Kirchenchor musikalisch gestalteten Gottesdienst in der Pfarrkirche begann am vergangenen Sonntag, den 13. Juni 2004 die Abschlussfeier des Dorferneuerungsverfahrens in Reicheneibach. Im Anschluss trafen sich die Gäste am im Rahmen der Dorferneuerung errichteten Dorfanger mit Dorfbrunnen zu einer kurzen Gebetsstunde. Dabei segnete Pfarrer Thomas Kratzer die anwesenden Dorfbewohner aus Reicheneibach. Bauoberrat Johann Hierer von der Direktion für Ländliche Entwicklung in Landau gab anschließend im Gasthaus Gruber einen Rückblick auf das Verfahren. Danach hat sich die Teilnehmergemeinschaft im Jahre 1989 gebildet und sich folgende Aufgaben gestellt: Die Vorteile des Lebens und Wohnens im Dorf sollten betont und die Nachteile begrenzt werden, die Verbundenheit der Dorfbewohner mit ihrem Ort gefördert, die Dorfgemeinschaft gestärkt und das Dorf lebenswert gestaltet werden. Danach wurde ein Maßnahmenkatalog auf der Basis der Wünsche und Anregungen der Dorfbewohner aufgestellt. In der Dorferneuerung Reicheneibach wurden die geplanten Maßnahmen fast zu 100 Prozent umgesetzt. Nur eine Maßnahme blieb auf der Strecke, und zwar die Sanierung des alten Schulhauses. Die Entscheidung war jedoch akzeptabel, da mit dem Umbau des Pfarrhofes der Wunsch nach einem Gemeinschaftshaus für die Vereine erfüllt werden konnte. Ein Schwerpunkt der Dorferneuerung war die Gestaltung des Dorfangers und der teilweise Rückbau der beiden Kreisstraßen. Mit der Anlage der begleitenden Gehwege konnte die Verkehrssicherheit für die Bürger und vor allem für die Kinder erheblich verbessert werden. Der Landkreis hat diese Maßnahme nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch einer Reduzierung der Fahrbahnbreite und der Anlage einer Mittelinsel am östlichen Ortseingang zugestimmt, um das Ziel der Verringerung der Durchfahrtsgeschwindigkeit zu erreichen. Die ursprüngliche Form des Dorfangers ist im wesentlichen geblieben, er wurde jedoch gestalterisch enorm aufgewertet. Es ist ein zentraler Ort der Kommunikation und der Begegnung für die Dorfbewohner geschaffen worden. Eine wichtige Voraussetzung für die Gestaltung des Dorfangers war, dass die gesamte Fläche in die Hand der Öffentlichkeit überführt werden konnte. Ein weiterer Ort der Begegnung, ein Kinderspielplatz in der grünen Mitte des Dorfes, konnte kurz vor Torschluss fertig gestellt werden. Auch hier war die Grundbereitstellung eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung der Maßnahme. Zu Pfingsten 1999 wurde Reicheneibach von einem Unwetter heimgesucht, das nicht nur in den umliegenden Feldlagen, sondern auch im Dorf Schäden durch Erosion, Überschwemmung und vor allem Schlammeintrag verursacht hat. Der Markt Gangkofen und der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft haben das Problem aufgegriffen. Zusammen mit den Fachbehörden wurde ein Konzept erarbeitet, das die Gefahr zumindest in Grenzen hält. Inhalt dieses Konzeptes waren, neben den vorbeugenden Maßnahmen zur Bodenerosion und Wasserrückhaltung, vor allem die Bodenordnung, die Verbesserung des landwirtschaftlichen Wegenetzes und die Landschaftspflege. So wurden mit Sträuchern bepflanzte Grünstreifen geschaffen, der bisher verrohrte Graben geöffnet und naturnah ausgebaut sowie drei Rückhaltebecken zur Minderung der Überschwemmungsgefahr errichtet. Insgesamt hat die Teilnehmergemeinschaft ein Netz von Hof- und Flurerschließungswegen mit 1,8 Kilometer Länge geschaffen. Die wirtschaftliche und sparsame Wegebauweise in Eigenregie hat zu günstigen Kosten geführt. Dies ist ein Verdienst der Bauleitung unter der Federführung von Heinrich Hess, die zusammen mit den örtlichen Bauleitern und Wegebaumeister Franz Schieber ausgezeichnete Arbeit geleistet haben. Im Verfahrensgebiet wurden 1,1 ha Landschaftspflegeflächen bereitgestellt. Die Direktion für Ländliche Entwicklung hat die Pflanzpläne entworfen. Nach diesen Plänen sind von Pflanzmeisterin Hilde Schnaitl etwa 700 Bäume und Sträucher gepflanzt worden. Das gesamte Verfahrensgebiet wurde lückenlos vermessen. Damit konnte für die Zukunft ein aktuelles und dauerhaftes Katasterwerk erstellt werden. Investiert wurden in die Dorferneuerung 780000 Euro, in die Flurneuordnung 185000 Euro, davon wurden etwa 80000 Euro für die Landschaftspflege ausgegeben. Finanziert wurden diese Kosten durch Zuschüsse des Freistaates Bayern in Höhe von 540000 Euro, durch Kostenbeteiligung des Marktes Gangkofen in Höhe von 335000 Euro und 90000 Euro Kostenbeteiligung des Landkreises Rottal-Inn.

Der abschließende Dank von Johann Hierer galt dem Markt Gangkofen und der Vorstandschaft der Teilnehmergemeinschaft. Stellvertretend überreichte er der örtlichen Beauftragten Christa Vockinger ein Geschenk.

Bürgermeister Johann Wamprechtshammer erläuterte in seinen Worten die Leistungen des Marktes Gangkofen, insbesondere im Bereich der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, zu diesem Verfahren. Auch er dankte allen für die konstruktive Zusammenarbeit während der 15 Jahre des Verfahrens.

Über die Entwicklung der Landwirtschaft in Reicheneibach informierte Franz Neuhuber vom Amt für Landwirtschaft in Deggendorf.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen konnten sich die Gäste bei einem Rundgang über die gelungene Dorferneuerung informieren. Mit Kaffee und Kuchen klang die Abschlussfeier gemütlich aus.

16 Jahre vom Wunsch zur Wirklichkeit

Der bäuerlich geprägte Ort ist nach der Dorferneuerung sehens- und liebenswerter geworden

Was lange währt, wird endlich gut. Mit dem Bau eines Kinderspielplatzes wurde jetzt die 1987 eingeleitete und 1994 vom Marktrat im Detail beschlossene Dorferneuerung in Reicheneibach abgeschlossen.

Der Ort präsentiert sich jetzt als ein echtes Schmuckstück, das durch die stilgerechten, einfühlsamen und örtlichen Gegebenheiten angepassten Gestaltungsmaßnahmen eine deutliche Aufwertung erfahren hat.

Nachdem 1987 die Entscheidung gefallen war, für Reicheneibach eine Dorferneuerung durchzuführen, waren noch viele Gespräche mit der Dorfbevölkerung und der Teilnehmergemeinschaft, sowie zahlreiche Sitzungen des Marktrates notwendig, ehe der vom Planungsbüro Kessler erstellte Dorferneuerungsplan im Juli 1994 vom Marktrat abschließend beraten und beschlossen werden konnte.

Der Dorferneuerungsplan sah folgende Einzelmaßnahmen vor, die in den vergangenen Jahren Zug um Zug abgewickelt wurden:

Umgestaltung der Ortsdurchfahrt mit dem Ziel einer Verringerung der Fahrgeschwindigkeit,

Gestaltung des Park- und Bushalteplatzes mit Haltebucht und Wartehaus,

Ausbau der Ringstraße zum südlichen Entwicklungsbereich der Ortschaft,

Umgestaltung des Dorfplatzes,

Sanierung des Fußweges vom Dorfplatz zur Kirche und zur Ringstraße,

Anlegung neuer Fußwegtrassen durch das Dorf,

Sanierung von Pfarrhof und Friedhofsmauer,

Grabennaturierungen,

sowie verschiedene Begrünungsmaßnahmen.

Im zeitlichen Zusammenhang mit der Dorferneuerung entstand in den Jahren 1995/97 für den Ortsteil Reicheneibach auch die kommunale Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung.

Im Jahre 2001 wurde beschlossen, noch zusätzliche Wasserrückhaltungen zu errichten, um Überflutungen und abflussbedingten Erosionen auch bei starken Niederschlägen entgegenzuwirken. Dazu wurden im Wiesenanger zwischen Ringstraße und Dorfkirche weitere öffentliche Flächen ausgewiesen, die Verrohrung des Grabens geöffnet, weitere Auffangbehälter für andrängende Wassermassen und zusätzlich begleitend zum Graben ein Gehweg von der Ortsmitte bei der Kirche zur Ringstraße geschaffen.


Als letzte Einzelmaßnahme der Dorferneuerung wurde jetzt der Kinderspielplatz fertiggestellt.