Kirche Reicheneibach

Auf der Stelle, auf der heutzutage die Kirche steht, war vormals das Schloß Reicheneibach (wahrscheinlich wegen der fruchtbaren Gegend so genannt). Von wem das Schloß einst gegründet wurde ist unbestimmt. Der erst vor etlichen Jahren (vor 1878) bei der Restauration der Kirche umgebaute Kirchturm mit seinem Satteldach war noch ein Überbleibsel von dem alten Schlosse. Ein Beweis, dass diese Kirche einst ein Schloß war, ist der Umstand, dass man bei der Restauration der Kirche auf mehrere rundliche steinerne Türstöcke gestoßen ist, welche für eine Kirche durchaus nicht notwendig gewesen sind. Wie gegenwärtig die Kichhofmauer herum läuft, eben so stand einst die Ringmauer dieses Schlosses, welches außerdem noch von der Süd- und Westseite von einem Weiher umgeben war und nach Norden und Osten überdies noch einen Wall hatte, der nun abgetragen ist.

Das Gotteshaus, zum hl. Kreuz geweiht, stellt eine spätgotische Anlage um die Mitte des 15. Jahrhunderts dar und gehörte ursprünglich als Filialkirche zur Pfarrei Gangkofen, 1915 Expositur, 1921 zur Pfarrei erhoben. Ein Gedenkstein in der Seitenkapelle erinnert daran, daß im Jahr 1612 “Hans Christophen Herbstens von Herbstham zu Sallach und Agnes von Leoprechting seines Ehegemals dise Capellen von Neiem erpaut” hat. Das Geschlecht der Herbst besaß von 1549-1647 die Hofmark Sallach.

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Text: BGR Rudolf Salzer

Die Kirche Reicheneibach ging mit ihrem ältesten Teil, dem Presbyterium, wohl aus einer früheren romanischen Schlosskapelle hervor. Die Umgestaltung mit dem jetzigen gotischen Netzrippengewölbe erfolgte offenbar 1542. (Diese Jahreszahl befindet sich im inneren Chorbogen.)

Eine Renovierung und Erweiterung des Kirchenraumes wurde 1615 vorgenommen (Jahreszahl vorne links). Zu einer letzten Erweiterung kam es im 19. Jahrhundert, wo das hintere Drittel des Kirchenschiffes und der Turm gebaut wurden. Der kleine Turm ist der alte Turm der ehemaligen Schlosskapelle.

Am 16. Juli 1873 wurde das Gotteshaus durch den damaligen Regensburger Diözesanbischof Ignatius v. Senestrey konsekriert.
Die frühere Filialkirche der Pfarrei Gangkofen wurde im Jahr 1921 Pfarrkirche der neuerrichteten Pfarrei Reicheneibach. Seit September 2001 hat die Pfarrei keinen eigenen Seelsorger mehr am Ort und wird wieder von Gangkofen aus betreut.

Die einstige neugotische Einrichtung der Kirche wurde 1939 unter Pfarrer Lacher entfernt und das Kircheninnere nach neuen Gesichtspunkten umgestaltet.

Die “hl. Kreuzkirche” beherrscht nun das große Kreuz auf dem neuen Hochaltar (Oberammergauer Arbeit), daneben die Figur der schmerzhaften Muttergottes und des hl. Apostels Johannes (vom Bildhauer Neustifter, Eggenfelden). In den Wandflächen rechts neben bem Tabernakel sind die Reliefs der Kirchenpatrone, der Apostel Simon (mit Säge) und Judas Thaddäus (mit Keule) angebracht; als Gegenstück links die Apostel Petrus (mit Schlüsseln) und Paulus (mit Schwert). Ein Pelikan als Zeichen für das Opfer stellt die Verbindung zwischen Kreuz und Altartisch (bzw. Tabernakel) – Opfer am Kreuz – Opfer in der Eucharistie – her.

1939 wurden auch die alten Fresken im Presbyterium in mühevoller Arbeit freigelegt, besonders Jesus am Ölberg und die Kreuzigungsszene. An der Seitenwand ist ein pflügender Bauer zu sehen, von einem Heiligen beschützt. Die Kreuzwegstation mit Simon von Xyrene, Erasmus, ein Engel, Nikolaus, Katharina, ein Engel…
Um dem Hochaltar eine klare, einfache Rückwand zu schaffen wurde das rückwärtige Fenster mit Glasmalerei mit Platten verschlossen.
Auf der Südseite ließ Pfarrer Lacher auch eine neue Sakristei an die Kirche anbauen.

Die Epitaphe alter Gutsherren, die in der Seitenkapelle begraben sind, wurden an den Wänden sichtbar angebracht.

Auf dem Seitenaltar auf der Nordseite steht einen Madonna mit Kind im Strahlenkranz (1. Hälfte 16. Jh.), daneben der hl. Nikolaus (etwa 1500) und die hl. Elisabeth (2. Hälfte des 15. Jh.), beides Heilige, die die Herren des Deutsch Ordens, des früheren Pfarrherrn in Gangkofen, sehr verehrt haben.

In der an der Südseite angebauten Kapelle steht ein spätgotischer Altarschrein (ca. 1500). Im dreiteiligen Mittelschrein befinden sich die Figuren von St. Leonhard, St. Christopherus und St. Stephanus. Die Innenseite der Flügel zeigt die Reliefs von St. Katharina und St. Dorothea.

Neu ist die Statue des hl. Bruder Konrad (ebenfalls von Neustifter, Eggenfelden).

Im Presbyterium befinden sich noch kleinere Figuren: hl. Johannes der Täufer, hl. Magdalena, hl. Notburga, hl. Isidor; beim Beichtstuhl hl. Theresia und hl. Aloisius.

Der jetztige Volksaltar wurde samt Abmo aus den geschnitzten Teilen der früheren Kommunionbank gestaltet.

Die Orgel wurde 1992 – zusammen mit der Empore – gänzlich erneuert (Fa. Weise, Plattling).

Letzte Renovierungen:

1978 Kirchturmdach vollständig erneuert
1979-80 Renovierung Kirchturmfassade
1981 Kirchenraum erneuert
1984 Sanierung der Kirche aussen
1994 Kirchendach (Langhaus) erneuert
1996-97 neue Friedhofsmauer.