Die Gründung

Gründungszeit der freiwilligen Feuerwehr Reicheneibach

Der Landesausschuss der bayerischen Feuerwehren hatte ein Flugblatt veröffentlicht, welches den Gemeinden als Anleitung zur Errichtung von freiwilligen Feuerwehren dienen sollte. Von den an das Bezirksamt Eggenfelden zugesandten 20 Flugblättern erhielt auch die Gemeinde Reicheneibach ein Exemplar. Die Rgg. von Landshut erinnert am 7. Dezember 1870 an dieses Flugblatt und gibt Anweisung zur Gründung von freiwilligen Feuerwehren. „Es ist in erster Linie nötig, dass die Gemeindeverwaltung oder doch einzelne Ortsbürger den ernsten Willen haben, aus dem alten Schlendrian im Löschwesen herauszukommen und bessere Zustände zu schaffen. Die Verwaltung oder ein von wenigen Männern gebildetes Komitee hat die Aufgabe, die männlichen Einwohner des Ortes zu einer Versammlung einzuberufen und in dieser die große Wichtigkeit einer ordentlichen Feuerwehr auseinander zu setzen“.

Diesem Aufruf war ein „Vortrag des Bürgermeisters oder eines Komitee-Mitglieds“ beigegeben. Darin heißt es: „Mehr als 100 Dörfer in unserem Bayern haben bereits solche Institute ins Leben gerufen und sie haben sich überall bewährt. Gar oft gewahrte man auf Brandstetten Mangel an Ordnung und an gemeinschaftlichem Handeln. Jeder wollte kommandieren, niemand gehorchen. Bei solchem Wirrwarr geriet ein First nach dem anderen in Flammen, bis oft das ganze Dorf in Schutt und Asche lag. Wo früher 100 kommandierten, soll jetzt nur einer befehlen, alle anderen aber gehorchen und sich brüderlich die Hand reichen zur Abwehr von Gefahren. Die Spritzenmänner haben die Spritze zu bedienen, die Schläuche und Leitern zu legen und für Wasserbeschaffung zu sorgen. Die Retter oder Ordnungsmänner besorgen das Ausräumen aus Lokalen, die ohne besondere Gefahr betreten werden können“.

Das Staatsmin. d. Innern hatte schon wiederholt auf die Wichtigkeit eines geordneten Feuerlöschwesens aufmerksam gemacht. 1871 wurden die Bezirksämter aufgefordert, „alle auf Verbesserung der Löscheinrichtung abzielenden Bestrebungen der Gemeinden und einzelner Vereine nach Kräften zu unterstützen“.

In Reicheneibach wurde im Jahr 1886 die „Freiwillige Feuerwehr“ gegründet. Der kgl. Assessor von Pöll vom Bezirksamt Eggenfelden trägt am 21. September 1886 folgende „Vormerkung ins Referat III“ ein: „Nach einem Gesuch vom 19. September 1886 um Unterstützung von Feuerlöschzwecken aus Distriktsmitteln hat sich in Reicheneibach eine freiwillige Feuerwehr mit 28 Mann gebildet“. Der Assessor von Pöll teilt gleichzeitig dem Bürgermeister von Reicheneibach mit, dass die freiwillige Feuerwehr aufzufordern ist, eine „Bestätigung über die Aufnahme in die Grundliste des Landesverbandes, zu welchem Zwecke Anmeldung bei dem Bezirksvertreter Dr. Hauber in Arnstorf zu erfolgen hat, ferner Statuten und Grundliste der freiwilligen Feuerwehr anher in Vorlage zu bringen“. Am 5. Dezember 1886 wurden durch Bürgermeister Kieswimmer Statuten und Grundliste eingesandt und Dr. Hauber um Aufnahme in den Landesverband gebeten.

1876, 10 Jahre vor Gründung der FFW Reicheneibach, bestanden in Bayern 455 Vereine mit 23.496 Mitgliedern und 548 Pflichtfeuerwehren; im Einsatz befanden sich 940 „größere Feuerspritzen“. Bei der Gründung stellten sich 28 Männer zum aktiven Dienst in der Wehr bereit. Aus der „Grundliste der FFW in der Gemeinde Reicheneibach“ von 1912 lassen sich noch folgende Gemeindeangehörige als Gründungsmitglieder ermitteln:

   · Josef Kopp, Bauer, Schrettenbrunn

   · Paul Vilsmeier, Schreinermeister, Reicheneibach

   · Franz Gruber, Gastwirt, Reicheneibach

   · Johann Kaltenecker, Zimmermeister, Reicheneibach.

Einen aufschlussreichen Einblick in die Entwicklung des Feuerlöschwesens in Niederbayern aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gibt ein Bericht aus dem „Rottaler Anzeiger“ vom 10. Juni 1912: „Nach dem Jahresbericht pro 1911 des Kreisfeuerwehrverbandes Niederbayern betrug die Zahl der Feuerwehren 1.045. Von den 975 Gemeinden Niederbayerns haben nunmehr 926 freiwillige Feuerwehren. Der Mannschaftsstand beziffert sich auf 49.869 Mann. Die ungemein große und ausdauernde Dürre des Jahres 1911 hatte die ungewöhnlich hohe Anzahl von 437 Brandfällen zur Folge, das sind 185 Fälle mehr als im Vorjahr. Die Entstehungsursache der Brände ist in 116 Fällen unbekannt, in 56 Brandfällen Brandstiftung, in 15 Fällen Fahrlässigkeit, in 19 Unvorsichtigkeit, in 5 fehlerhafte Bauanlage, in 24 schadhafter Kamin, in 21 Fällen wurde der Brand durch Kinder verursacht, in 5 durch schadhafte Ofenanlagen, in 3 durch Überheizung, in 4 durch Ausbrennen oder Explosion einer Petroleumlampe usw., durch Blitzschlag entstanden 65 Brände. Die Sterbekasse umfasst derzeit 4.067 Ortsmitgliedschaften mit über 115.000 Mitgliedern; es steht demnach noch eine erhebliche Anzahl von Feuerwehren bzw. Feuerwehrmännern dem segensreich wirkenden Institute der Sterbekasse fern“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Am 31. März 1953 teilt das Landratsamt Eggenfelden der Gemeindeverwaltung Reicheneibach mit, dass nach dem Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 17. Mai 1946 Neuwahlen durchzuführen und Satzungen zu beschließen sind. Ferner berichtet das Landratsamt, dass von der Feuerwehr Reicheneibach Unterlagen über die letzte Wahl nicht aufliegen. „Es ist deshalb eine Neuwahl durchzuführen; eine Satzung ist zu beschließen“. Daraufhin fand am 6. Juni 1953 in der Gastwirtschaft Franz Gruber zu Reicheneibach eine Generalversammlung statt, in der sich der Verein eine Satzung gab. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden in manchen Gemeinden des Landkreises Eggenfelden bereits 1945 und 1946 Neuwahlen statt. Im Mitgliederverzeichnis der FFW Reicheneibach von 1946 sind 26 aktive Feuerwehrmänner genannt.

Wie aus § 1 der Satzung hervorgeht, sind die Aufgaben der Wehr umfangreicher geworden: „Der Zweck der FFW ist die geordnete Hilfeleistung bei Feuersgefahr und öffentlichen durch Naturereignisse verursachten Notstand. Die FFW darf nicht zu polizeilichen Aufgaben herangezogen werden. Die FFW ist außerdem zur Mitwirkung bei der Feuerverhütung berufen“. Die Vorstandschaft bestand damals aus folgenden Mitgliedern:

   · Klement Zisler, Vorstand, Reicheneibach

   · Josef Heindl, Vorstandstellvertreter u. stellvertretender Kommandant, Oberndorf

   · Xaver Hochburger, Kommandant, Reicheneibach

   · Heinrich Laubenbacher, Schriftführer, Reicheneibach

   · Sebastian Hofbauer, Zeugwart und Kassenwart, Reicheneibach.